Die Frage nach dem «WARUM»

Es ist uns ein grosses Anliegen, dass die Bevölkerung der Stadt Bern im Allgemeinen und die Pilotprojekt-Teilnehmenden im Speziellen wissen, warum wir ein neues Sammelsystem testen.
Grundsätzlich geht es darum, dass als Kernstück der Abfallstrategie 2030 die Umstellung der Wertstoffsammlung vom Bring- auf das Holsystem vorgesehen ist. Dies bringt viele Vorteile für die Bevölkerung, die Umwelt und den städtischen Entsorgungsbetrieb. Verschiedenste Gründe sprechen dafür:

24 / 365

Den wachsenden Bedürfnissen der 24-Stunden-Gesellschaft soll Rechnung getragen werden. Die Bevölkerung will dann entsorgen, wann sie will – an jedem Wochentag, zu jeder Uhrzeit.
Das wird heute schon gelebt, was z.B. zu Problemen bei den Quartierentsorgungsstellen führt. Vergisst jemand sein Papier am Sammeltag bereitzustellen, muss er zwei Wochen auf die nächste Abfuhr warten. Stehen Ferien an, muss der Kehricht vorher noch raus und man/frau riskiert eine Busse. Mit dem neuen Sammelsystem kann rund um die Uhr, an jedem Wochentag, bequem zuhause entsorgt werden.

QES Übernutzung

Die städtischen Quartierentsorgungsstellen stossen kapazitätsmässig an ihre Grenzen und sind permanent übernutzt, was zu Belastungen der Nachbarschaft sowie zu einem grossen Reinigungs- und Betriebsaufwand für Entsorgung + Recycling führt. Bereits jetzt werden die Sammelstellen zweimal täglich geräumt und gereinigt. Trotzdem reicht das, gerade an den Wochenenden, nicht, um diese sauber zu halten. Der Bau weiterer QES scheitert meist an der Standortsuche. Mit dem neuen Sammelsystem können die Entsorgungsstellen wirkungsvoll entlastet werden.

Urbanes Leben ohne Auto

Private Fahrten zu den Quartierentsorgungs- und Wertstoffsammelstellen, die immer wieder zu berechtigten Reklamationen aus der Nachbarschaft führen, sollen reduziert werden. Zudem besitzen 40% der Stadtbewohner gar kein Auto, womit sie grössere Mengen zu den Sammelstellen transportieren könnten. Auch für ältere und behinderte Menschen ist der Gang zu den Entsorgungsstellen oft beschwerlich. Vom neuen Sammelsystem profitieren alle Bevölkerungsgruppen.

Weitere Wertstoffe

Das Trennen von Wertstoffen ist stark in unseren Gewohnheiten verankert. Der Wunsch weitere Wertstoffe zu sammeln und die Recyclingquote zu erhöhen ist gross, gerade auch, was z.B. Kunststoffe oder Getränkekartons betrifft. Eine weitere Abholtour für zusätzliche Wertstoffe ist technisch wie logistisch mit der bestehenden Fahrzeugflotte nicht möglich und macht auch ökologisch keinen Sinn. Besteht künftig Anlass, neue Wertstoffe separat zu sammeln (oder bestehende zu streichen), ist dies mit dem neuen flexiblen System einfach und schnell realisierbar.

Wildtiere

Durch Tiere aufgerissene Kehrichtsäcke und der damit verbundenen Verschmutzung beschäftigen wir uns täglich und ist ein leidiges Thema. Bei einer Systemumstellung und der damit verbundenen gleichzeitigen Einführung der flächendeckenden Containerpflicht blieben die Strassen sauber, da keine Tiere mehr die Abfallsäcke aufreissen.

Mitarbeitende

Das tagtägliche von-Hand-in-die-Entsorgungsfahrzeuge- Hieven der Abfallsäcke und Papier/Kartonbündel ist eine grosse – zu grosse – körperliche Belastung für unsere Sammeldienst-Mitarbeitenden. Es treten insbesondere Verschleisserscheinungen im Schulter- und Rückenbereich auf. Mit der zukünftigen Bereitstellung in Containern, die für die Leerung an der Hebevorrichtung der Fahrzeuge befestigt werden, könnte der betriebliche Gesundheitsschutz massgeblich verbessert werden.

Sammelsysteme der Stadt

Für bestimmte Wertstoffe (z.B. Papier/Karton) gibt es Mehrfachangebote, sowohl Bring- wie auch Holsysteme: die Abfuhr, die Sammelstellen und die Entsorgungshöfe. Diese Situation ist aus personeller und finanzieller Sicht nicht ideal und nicht effizient, was sich negativ auf die Wirtschaftlichkeit der Abfallentsorgung auswirkt. Eine Vereinheitlichung und Fokussierung auf ein System ist darum sinnvoll.

Warum ein Pilotversuch?

Die geplante Art der Abfallsammlung gibt es in der Schweiz noch nicht. Mit dem einjährigen Pilotversuch soll die Praxistauglichkeit, die Akzeptanz in der Bevölkerung und die Wirtschaftlichkeit getestet werden. Weiter soll der Versuch zeigen, wie viele Container bei einer stadtweiten Einführung benötigt werden und wie viele Standplätze auf privatem oder öffentlichem Grund zu liegen kommen. Erst die Erfahrungen aus dem Versuch werden es erlauben, ein Umsetzungskonzept zu erarbeiten und zu entscheiden, ob das neue System von der Bevölkerung akzeptiert wird und stadtweit eingeführt werden soll. Die Mitwirkung der Bevölkerung ist dabei sehr wichtig und für das Gelingen des Projekts entscheidend.